Theater – Die Präsidentinnen besuchen eine Kunstausstellung

Freitag, 27. Juli 2012 – 19:30
Samstag, 28. Juli 2012 – 19:30

15 KünstlerInnen aller Sparten schicken Werner Schwabs Putzkolonne durch Oberösterreich

Die Karavane zieht weiter! Beklemmend und poetisch und in einem trügerischen Fest haben in der Spinnerei in Traun und der Landesgalerie 15 Künstler den Schmutz in den Seelen von Kunstfiguren, Künstlern und Publikum ans Licht der Theaterwelt gezerrt.
Jetzt kommen sie in die Alte Schule Gutau.

„The Fäkaliendrama is coming home!“ – freut sich Ingrid Weigl alias Mariedl. Die Gallneukirchnerin ist überzeugt: „Die heile Welt gibt es nicht – und ganz sicher nicht hier bei uns im Mühlviertel!“
Welcher Schmutz erwartet das Gutauer Publikum? „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab sind die wahrscheinlich widerwärtigsten Putzfrauen der Literaturgeschichte und im Sturm hat der viel zu früh verstorbene Grazer Autor damit die Theater in der ganzen Welt erobert.
15 Künstlerinnen und Künstler aus Malerei, Videokunst, Theater und Musik ergründen, auf welche unterschiedlichen Weisen man sich diesem Text über drei faschistische Monster, die sich selbst und ihre Kinder hassen und eigentlich nur den Papst und Hitler lieben, nähern kann.
Ein Kunstereignis der unterschiedlichen Geschwindigkeiten entsteht. Rasant kämpfen sich drei Schauspielerinnen auf der Bühne nieder. Dabei werden die Zuschauer und Zuschauerinnen unbemerkt im interaktiven Spiel zu Mittätern. Details eines Gemäldes werden entdeckt, geduldig, bis es einen Sinn ergibt. Auch einen Sinn für Schwabs Theater, um den das Gemälde plötzlich zu kreisen scheint, obwohl es nie dafür gemalt wurde. Dann spaziert das Publikum durch ein Labyrinth, begegnet singenden Knaben, entweihten Altären und einer einsam durch eine Müllhalde Wandernden – man erkennt den Zusammenhang zu Mariedl, Erna und Grete, den Putzfrauen des Original-Stücks, aber man versteht sie neu, ahnt, dass sie nicht nur Hasstiraden anstimmen wollen, sondern auch träumen könnten…

Eva Stockinger aus Schwertberg spielt die tief verklemmt Erna – und sie wundert sich über die Reaktionen des Publikums: „Wir feiern mitten im Stück ein fröhliches Fest. Mit Schnaps, Polka und Butterkeksen. Und alle lassen sich von der heiteren Stimmung fortreißen – dabei müssten sie längst ahnen, dass wir alles in einem Zeltfest der tiefsten Art enden wird. Aber letztlich sind doch alle Menschen gleich – mit ein bisschen Alkohol geht aller Anstand über Bord!“

Neue Texte, brillante Videos, wortloses Geschehen und Reisen in unerwartete Bilderwelten erwarten die ZuschauerInnen. Die 15 Beteiligten haben sich auf einen langen Weg begeben. Am Ende der ständigen gemeinsamen Arbeit, der Diskussionen und der Suche kann man ihnen an fünf unterschiedlichen Spielorten in Oberösterreich begegnen und bewundern, wie bereichernd es sein kann, sich intensiv und geduldig mit einem Text, in diesem Fall Werner Schwabs Präsidentinnen, auseinanderzusetzen.

Dieses Bemühen erkennt neben dem Land Oberösterreich und der Stadt Linz, die das Projekt fördern, auch die ÖH der Kunstuniversität Linz an:
„Die Vielfalt und das Zusammenkommen von so vielen Künstlern wird als sehr aufwendig und absolut förderungswürdig gesehen!“

Spieltermine:

Alte Schule, Gutau: Fr. 27. und Sa. 28. Juli, 19.30 Uhr
Klangfestival, Gallneukirchen: Fr. 7. September, 19 Uhr